Arbeitsschuhe im Asphaltbau: Hitzebeständigkeit erklärt
Wer im Heißeinbau arbeitet, steht auf Material, das auch in temperaturabgesenkter Bauweise mit weit über 100 Grad eingebaut wird. Standard-Sicherheitsschuhe sind für diese Bedingungen nicht ausgelegt. Dieser Beitrag erklärt, welche Zusatzanforderungen nach DIN EN ISO 20345 für den Asphaltbau relevant sind, worauf es beim Sohlenmaterial ankommt und wie Sie bei der Auswahl typische Fehler vermeiden. Die grundlegenden Schutzklassen (S1 bis S7) behandeln wir hier bewusst nicht im Detail: Eine ausführliche Erklärung finden Sie in unserem Ratgeber zu den Schutzklassen von Sicherheitsschuhen.
Warum Standard-Sicherheitsschuhe im Asphaltbau an ihre Grenzen kommen
Herkömmlich hergestellter Walzasphalt wird je nach Mischgut bei etwa 140 bis 180 Grad eingebaut. Temperaturabgesenkter Asphalt, den die ZTV Asphalt-StB 26 zur Regelbauweise macht, liegt rund 20 Grad darunter, Gussasphalt deutlich darüber. Die Kolonne steht dabei nicht nur punktuell, sondern über Stunden auf frisch eingebautem, heißem Material. Dazu kommt die strahlende Hitze von der Einbaubohle und von heißen Oberflächen im direkten Arbeitsumfeld.
Für einen normalen Sicherheitsschuh bedeutet das eine Dauerbelastung, für die er nie konstruiert wurde. Die Folgen zeigen sich in der Praxis regelmäßig: Sohlen erweichen, verlieren ihr Profil, verformen sich oder lösen sich vom Schuh. Neben dem Materialverschleiß ist das vor allem ein Sicherheitsproblem, denn eine erweichte Sohle verliert Rutschhemmung und Durchtrittschutz genau dann, wenn beides gebraucht wird.
Hinweis: Auch der beste hitzebeständige Schuh ist Verschleißmaterial. Wer täglich im Heißeinbau steht, verbraucht Schuhe deutlich schneller als eine Kolonne im Tiefbau. Das gehört in die Kalkulation der PSA-Budgets.
HRO und HI: die relevanten Zusatzanforderungen nach DIN EN ISO 20345
Die Norm DIN EN ISO 20345 kennt neben den Grundklassen eine Reihe von Zusatzanforderungen. Für den Asphaltbau sind vor allem zwei Kürzel entscheidend:
- HRO steht für das Verhalten der Laufsohle gegenüber Kontaktwärme. Geprüft wird 60 Sekunden lang bei 300 Grad: Die Sohle darf dabei nicht schmelzen und nicht reißen. HRO ist die zentrale Anforderung für alle, die auf heißem Mischgut arbeiten.
- HI steht für die Wärmeisolierung des Sohlenkomplexes. Sie sorgt dafür, dass die Hitze von unten den Fuß nicht so schnell erreicht. Für langes Stehen auf heißen Flächen ist HI die sinnvolle Ergänzung zu HRO.
Wichtig ist die richtige Einordnung: HRO bedeutet nicht, dass man dauerhaft auf 300 Grad heißem Material stehen kann. Die Prüfung bildet einen kurzzeitigen Kontakt ab. In der Praxis heißt HRO: Die Sohle übersteht den Arbeitsalltag auf heißem Asphalt, ohne zu schmelzen oder zu reißen. Dauerhaftes Stehen auf extrem heißen Flächen bleibt trotzdem zu vermeiden.
Häufiger Fehler: HRO wird als Freibrief verstanden. Wer die Kennzeichnung als "hält 300 Grad aus" liest und sich entsprechend verhält, überschätzt den Schutz. Die Kombination aus HRO und HI reduziert die Belastung, ersetzt aber kein umsichtiges Arbeiten.
Das Material entscheidet: Nitrilkautschuk statt PU
Der wichtigste Unterschied zwischen einem Standard-Sicherheitsschuh und einem Asphaltbau-Schuh steckt in der Laufsohle. Viele gängige Sicherheitsschuhe haben Sohlen aus Polyurethan (PU). PU ist leicht, dämpft gut und ist im normalen Baustellenalltag bewährt. Bei Asphalt-Temperaturen kann PU jedoch erweichen, das Profil verliert seinen Halt und im ungünstigen Fall verformt sich die Sohle sichtbar.
Für den Heißeinbau haben sich Laufsohlen aus Nitrilkautschuk etabliert. Das Material bleibt auch bei hohen Kontakttemperaturen formstabil und abriebfest. Ergänzend kommt es auf die Verarbeitung des gesamten Schuhs an:
- Hitzebeständige Nähte, damit sich der Schaft bei Dauerhitze nicht vom Sohlenaufbau löst
- Obermaterial aus Leder, das Strahlungswärme und Funken besser standhält als viele Textilmaterialien
- Ein mehrschichtiger Sohlenaufbau, der die Wärmeisolierung (HI) sicherstellt
Weitere sinnvolle Eigenschaften für den Asphaltbau
Als Basis hat sich im Straßenbau die Klasse S3 durchgesetzt: Zehenschutzkappe, Durchtrittschutz und ein feuchtigkeitsbeständiger Aufbau decken die typischen Baustellenrisiken ab. Für die Arbeit am heißen Mischgut kommen einige Punkte dazu, die über die Kennzeichnung hinausgehen:
- Schaftform: Beim Arbeiten direkt am Mischgut, etwa beim Schaufeln oder an der Bohle, sind Schaftstiefel im Vorteil. Ein höherer, geschlossener Schaft verhindert, dass heißes Material von oben in den Schuh fällt.
- Schnürung vs. Schlupfstiefel: Schlupfstiefel lassen sich im Notfall schnell abstreifen, wenn heißes Mischgut in den Schuh geraten ist. Geschnürte Modelle sitzen dafür fester. Beides hat seine Berechtigung, entscheidend ist, dass der Schaft eng genug abschließt.
- Sohlenprofil: Ein selbstreinigendes, nicht zu feines Profil hält auf bituminösen und unebenen Flächen besser und setzt sich weniger schnell mit Mischgut zu.
- Abriebfestigkeit: Auf frischem Asphalt und gefrästen Flächen ist der Abrieb hoch. Eine abriebfeste Sohle verlängert die Standzeit spürbar.
Hitzebeständige Sicherheitsschuhe für den Straßenbau finden Sie auf RoadPartner in der Kategorie Sicherheitsschuhe. Dort listen Anbieter Modelle mit den passenden Kennzeichnungen für den Heißeinbau, ergänzt um die weitere Ausstattung in der Kategorie PSA.
Praxis-Checkliste für die Auswahl
Vor der Bestellung für die Einbaukolonne lohnt ein Abgleich mit dieser Liste:
- Kennzeichnung nach DIN EN ISO 20345 mit HRO, idealerweise ergänzt um HI
- Laufsohle aus Nitrilkautschuk, nicht aus PU
- Basis in der Regel S3 (Zehenschutz, Durchtrittschutz, wasserabweisendes Obermaterial). Wo die Gefährdungsbeurteilung keinen Durchtrittschutz verlangt, kommen auch hitzebeständige Asphaltschuhe in S2 infrage
- Obermaterial Leder, hitzebeständig verarbeitete Nähte
- Höherer Schaft oder Stiefelform für die Arbeit direkt am Mischgut
- Griffiges, selbstreinigendes Sohlenprofil mit guter Abriebfestigkeit
- Passform mit ausreichend Reserve für dickere Socken, ohne dass der Fuß rutscht
- Ersatzpaare eingeplant, damit durchgeschwitzte oder beschädigte Schuhe getauscht werden können
Preislich liegen hitzebeständige Modelle in der Regel über Standard-S3-Schuhen. Die Spanne hängt vor allem von Sohlenaufbau, Ledermaterial und Schafthöhe ab. Auf die Standzeit gerechnet relativiert sich der Aufpreis meist, weil Standard-Schuhe im Heißeinbau deutlich schneller verschleißen.
Typische Fehler in der Praxis
Standard-S3 mit PU-Sohle im Heißeinbau. Der häufigste Fehler. Der Schuh erfüllt formal eine gängige Schutzklasse, ist aber für die Temperaturen nicht ausgelegt. Die Sohle erweicht, das Profil verschwindet und im Ernstfall fehlt der Halt.
Geschmolzene oder verformte Sohlen ignorieren. Sichtbar angeschmolzene, rissige oder verformte Sohlen sind ein Warnsignal, kein Schönheitsfehler. Solche Schuhe gehören ausgetauscht, denn Rutschhemmung und Durchtrittschutz sind nicht mehr gewährleistet.
Schuhe zu lange fahren. Auch hitzebeständige Schuhe altern unter Dauerbelastung. Wer wartet, bis die Sohle durch ist, spart am falschen Ende. Ein fester Prüf- und Tauschrhythmus, etwa im Rahmen der regelmäßigen PSA-Kontrolle, ist die einfachere Lösung.
Häufiger Fehler: Die Kolonne bekommt einheitlich das günstigste Modell, unabhängig von der Tätigkeit. Wer an der Bohle steht, hat andere Anforderungen als der Fahrer. Eine kurze Abfrage der tatsächlichen Tätigkeiten vor der Sammelbestellung vermeidet Fehlkäufe.
Häufige Fragen
Reicht ein normaler S3-Schuh für gelegentliche Asphaltarbeiten?
Für kurze, gelegentliche Einsätze auf bereits abgekühlten Flächen kann ein S3-Schuh genügen. Sobald regelmäßig auf frisch eingebautem, heißem Mischgut gearbeitet wird, ist ein Modell mit HRO-Kennzeichnung und Nitrilkautschuk-Sohle die richtige Wahl. Maßgeblich ist die Gefährdungsbeurteilung des Betriebs.
Was bedeutet HRO genau?
HRO beschreibt das Verhalten der Laufsohle gegenüber Kontaktwärme nach DIN EN ISO 20345. Geprüft wird 60 Sekunden lang bei 300 Grad, dabei darf die Sohle weder schmelzen noch reißen. Es ist ein Kurzzeit-Test, kein Nachweis für dauerhaftes Stehen auf 300 Grad heißen Flächen.
Brauche ich HRO und HI zusammen?
Für den Heißeinbau ist die Kombination sinnvoll. HRO schützt die Sohle selbst vor dem Kontakt mit heißem Material, HI verzögert die Wärmeleitung zum Fuß. Wer über Stunden auf warmem Asphalt steht, profitiert deutlich von beiden Eigenschaften.
Warum sind PU-Sohlen im Asphaltbau problematisch?
Polyurethan kann bei den Temperaturen im Heißeinbau erweichen. Die Sohle verliert Profil und Stabilität, im Extremfall verformt sie sich sichtbar. Nitrilkautschuk bleibt bei diesen Temperaturen formstabil und ist deshalb das übliche Sohlenmaterial für Asphaltarbeiten.
Wie oft sollten Schuhe im Heißeinbau getauscht werden?
Eine pauschale Frist gibt es nicht, die Standzeit hängt von Einsatzhäufigkeit, Untergrund und Pflege ab. In der Praxis hat sich eine regelmäßige Sichtprüfung bewährt: Sobald die Sohle sichtbare Hitzeschäden, starken Profilverlust oder Risse zeigt, ist der Tausch fällig, unabhängig vom Alter des Schuhs.
Wer zahlt die Sicherheitsschuhe?
Sicherheitsschuhe sind persönliche Schutzausrüstung. Ist ihr Tragen aufgrund der Gefährdungsbeurteilung erforderlich, muss der Arbeitgeber sie in der Regel kostenlos zur Verfügung stellen und für Ersatz bei Verschleiß sorgen.
Hinweis: Dieser Beitrag fasst gängige Praxis zur Auswahl hitzebeständiger Sicherheitsschuhe im Asphaltbau zusammen. Verbindlich sind die DIN EN ISO 20345 in der jeweils gültigen Fassung, die Gefährdungsbeurteilung des Betriebs sowie die Vorgaben der zuständigen Berufsgenossenschaft.
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