Bitumenemulsion: Welche für Schichtenverbund, Voranstrich, OB?

Materialien · 10 Min. Lesezeit

Die richtige Bitumenemulsion entscheidet über Haftung, Lebensdauer und Schadensbild Ihrer Asphaltschicht. Falsche Wahl heißt im besten Fall Mehraufwand, im schlechtesten ein Schichtenverbund, der nach zwei Wintern reißt. Dieser Guide ordnet die wichtigsten Emulsionstypen den drei häufigsten Einsatzfeldern im deutschen Straßenbau zu: Schichtenverbund, Voranstrich und Oberflächenbehandlung. Mit Code-Schema nach TL BE-StB, typischen Aufwandmengen und den Praxisfehlern, die sich am häufigsten wiederholen.

Was ist Bitumenemulsion und warum gibt es so viele Varianten?

Eine Bitumenemulsion ist Bitumen, das in feinen Tröpfchen in Wasser dispergiert ist. Sie lässt sich kalt verarbeiten, bricht beim Kontakt mit dem mineralischen Untergrund (Wasser verdunstet, Bitumen verbindet sich mit dem Korn) und liefert dann eine Bitumenhaut. Weil Untergründe, Temperaturen und Anforderungen variieren, gibt es Emulsionen mit unterschiedlichem Bindemittelgehalt, unterschiedlicher Brechgeschwindigkeit und mit oder ohne Polymermodifizierung.

Klassifizierung: Was die Bezeichnungen bedeuten

Bitumenemulsionen werden in Deutschland nach DIN EN 13808 und den Technischen Lieferbedingungen TL BE-StB klassifiziert. Der Code besteht aus mehreren Bausteinen:

  • C = kationisch (positiv geladen, dominiert im Straßenbau). A wäre anionisch, im modernen Straßenbau heute nur noch für Sonderfälle relevant.
  • Zahl = Bindemittelgehalt in Gewichtsprozent. C60 enthält 60 % Bitumen und 40 % Wasser. Übliche Werte: 40, 50, 60, 65, 67, 69.
  • B = Bitumen als Bindemittel. BP = polymermodifiziertes Bitumen.
  • Brechklasse 1 bis 7 = wie schnell die Emulsion bricht. 1 = sehr schnell, 7 = stabil.
  • F = mit Fluxmittel (verlängert die Verarbeitungszeit, hilft bei Voranstrich).

Beispiel C60BP1: kationisch, 60 % Bindemittel, polymermodifiziert, schnellbrechend. Klassischer Schichtenverbund-Kandidat.

1. Schichtenverbund zwischen Trag- und Deckschicht

Der Schichtenverbund ist die häufigste Anwendung und der häufigste Schadensschwerpunkt. Eine fehlende oder zu schwache Verklebung zwischen Tragschicht und Asphaltdeckschicht führt zu Verschiebungen, Wellen und Rissen, oft erst nach ein bis zwei Jahren sichtbar.

Typische Wahl: kationische, schnellbrechende Emulsion C60B1 oder polymermodifiziert C60BP1. Die ZTV Asphalt-StB schreibt einen Schichtenverbund vor, ohne ein einzelnes Produkt vorzugeben. In der Praxis hat sich C60BP1 bei höher belasteten Strecken etabliert, weil das Polymer die Scherfestigkeit verbessert.

Aufwandmenge (Bindemittel, nicht Emulsionsmenge):

  • Auf glatte, gefräste Bestandsoberfläche: ca. 200 bis 250 g/m²
  • Auf rauere Bestandsoberfläche: ca. 250 bis 350 g/m²
  • Auf neue Tragschicht (Erstbelag): ca. 150 bis 250 g/m²

Da die Emulsion 60 % Bindemittel enthält, liegt die Spritzmenge der Emulsion etwa beim 1,67-Fachen dieser Werte. 250 g/m² Bindemittel entsprechen also rund 420 g/m² Emulsion.

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2. Voranstrich auf ungebundenen Tragschichten

Beim Voranstrich (auch „Haftbrücke" auf ungebundenem Untergrund) geht es darum, die Oberfläche einer Frostschutz- oder Schottertragschicht zu binden, bevor die erste gebundene Schicht eingebaut wird. Ziel: die Emulsion soll einziehen, nicht oberflächlich liegen bleiben.

Typische Wahl: mitteltiefe, fluxhaltige Emulsion wie C40BF1 oder C50BF1. Der niedrigere Bindemittelgehalt und das Fluxmittel halten die Emulsion länger flüssig, sodass sie in den Korngerüst-Untergrund eindringen kann.

Aufwandmenge: typisch 0,8 bis 1,5 kg/m² Emulsion, abhängig von Saugfähigkeit und Kornzusammensetzung. Bei stark saugendem Untergrund eher zwei Arbeitsgänge mit jeweils geringerer Menge als ein Schwergang.

Häufiger Fehler: zu viel Emulsion auf einmal. Die Pfütze trocknet oben, schließt die Oberfläche, und das Wasser darunter kann nicht mehr verdunsten.

3. Oberflächenbehandlung im Erhaltungsbau

Bei Oberflächenbehandlungen (OB), Einfach- oder Doppellage, dient die Emulsion als Bindemittel für eine aufgesplittete Verschleißschicht. Anwendungsfeld sind klassische Erhaltungsmaßnahmen auf Land- und Kommunalstraßen.

Typische Wahl: polymermodifiziert, hoher Bindemittelgehalt: C67BP oder C69BP. Der hohe Bindemittelanteil sorgt für ausreichende Klebkraft, das Polymer für Standfestigkeit unter Verkehr.

Aufwandmenge bei Einfachlage: ca. 1,3 bis 1,8 kg/m² Emulsion mit 8 bis 12 l/m² Splitt (Körnung je nach Anforderung, häufig 5/8 oder 8/11). Bei Doppellage entsprechend in zwei Arbeitsgängen mit unterschiedlicher Körnung.

Verarbeitungs-Tipps aus der Praxis

  • Untergrundtemperatur mindestens 5 °C, steigend. Unter 5 °C bricht die Emulsion zu langsam, das Wasser verdunstet nicht sauber.
  • Trockener oder leicht feuchter Untergrund. Stehende Nässe und Pfützen verhindern Haftung. Reine Oberflächenfeuchte schadet kationischen Emulsionen meist nicht.
  • Spritzgeschwindigkeit konstant halten. Geschwindigkeitsschwankungen erzeugen Streifen mit Über- oder Unterdosierung.
  • Brechzeit beachten. Eine schnellbrechende Emulsion ist je nach Temperatur in 5 bis 30 Minuten optisch gebrochen (Farbumschlag von braun nach schwarz).
  • Trennmittel bereithalten für Mulden, Walzen und Werkzeuge. Geeignete Produkte unter Trennmittel auf RoadPartner.

Häufige Fehler in der Praxis

  1. Falscher Code aus der Schublade. Bestellung „die übliche Emulsion" ohne Abgleich mit der konkreten Anwendung. C60B1 statt C60BP1 spart Geld, hält bei höherer Belastung aber oft nicht.
  2. Aufwandmenge in Emulsion und Bindemittel verwechselt. Wer 250 g/m² Emulsion spritzt, statt 250 g/m² Bindemittel, hat real nur 60 % der nötigen Bindemittelmenge auf der Fläche.
  3. Spritzen kurz vor Regen. Wenn die Emulsion noch nicht gebrochen ist, wäscht der Regen sie ab. Wettervorhersage lieber zwei Stunden Puffer geben.
  4. Deckschicht zu früh aufgebracht. Solange die Emulsion noch nicht gebrochen ist, schwimmt der Asphalt auf. Optisch gebrochen heißt: schwarz, glänzend, nicht mehr braun.

Häufige Fragen

Welche Emulsion eignet sich für den Schichtenverbund?

Im deutschen Straßenbau wird für den Schichtenverbund häufig eine kationische, schnellbrechende Emulsion mit 60 % Bindemittelgehalt eingesetzt, in vielen Fällen polymermodifiziert (C60BP1). Bei höher belasteten Strecken ist die polymermodifizierte Variante in der Regel die robustere Wahl. Die Aufwandmenge liegt typisch bei 200 bis 350 g/m² Bindemittel, abhängig von Rauigkeit und Zustand der Bestandsoberfläche.

Was ist der Unterschied zwischen kationischen und anionischen Bitumenemulsionen?

Kationische Emulsionen tragen positiv geladene Bitumentröpfchen und brechen beim Kontakt mit den meisten mineralischen Untergründen zuverlässig, weil deren Oberfläche typischerweise negativ geladen ist. Anionische Emulsionen sind negativ geladen und brechen langsamer; im deutschen Straßenbau werden sie heute nur noch in Sonderfällen eingesetzt. Für nahezu alle gängigen Anwendungen ist die kationische Variante (Code beginnt mit „C") der Standard.

Wie lange muss eine Bitumenemulsion vor dem Einbau brechen?

Eine schnellbrechende Emulsion ist je nach Temperatur und Untergrund nach etwa 5 bis 30 Minuten optisch gebrochen, erkennbar am Farbumschlag von braun nach schwarz. Vor dem Einbau einer Asphaltschicht sollte die Emulsion vollständig gebrochen und das Wasser weitgehend verdunstet sein. Bei niedrigen Temperaturen oder hoher Luftfeuchtigkeit kann das deutlich länger dauern. Faustregel: lieber etwas länger warten als zu früh überbauen.

Kann Bitumenemulsion bei Regen verarbeitet werden?

Bei aktivem Regen sollte nicht gespritzt werden. Frische, noch nicht gebrochene Emulsion wird vom Wasser abgewaschen und das Bindemittel sammelt sich in Senken. Auch ein Regenschauer kurz nach dem Spritzen kann den Verbund ruinieren. Praxisempfehlung: zwei Stunden trocken vor und mindestens eine Stunde trocken nach dem Aufbringen einplanen. Bei Oberflächenfeuchte (kein stehendes Wasser) und kationischer Emulsion ist die Verarbeitung meist möglich.

Welche Aufwandmenge pro m² ist beim Schichtenverbund üblich?

Im Schichtenverbund liegt die Bindemittelmenge typisch zwischen 200 und 350 g/m², abhängig vom Untergrund. Bei einer 60-prozentigen Emulsion entspricht das einer Spritzmenge von etwa 330 bis 580 g/m² Emulsion. Auf glatten gefrästen Flächen reicht oft das untere Ende, auf rauen Bestandsoberflächen wird das obere Ende eingesetzt. Die ZTV Asphalt-StB gibt den Rahmen vor; verbindlich ist die jeweilige LV-Vorgabe des Bauherrn.


Hinweis: Die genannten Aufwandmengen und Codes sind Praxis-Richtwerte. Verbindlich sind die Vorgaben aus dem Leistungsverzeichnis, der ZTV Asphalt-StB sowie den TL BE-StB in der jeweils gültigen Fassung.

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