Kaltasphalt oder Heißasphalt: Wann welches Material passt
Kaltasphalt und Heißmischgut werden oft gegeneinander abgewogen, als ginge es um zwei Varianten desselben Produkts. Technisch sind es zwei verschiedene Systeme, die auf unterschiedliche Weise fest werden und deshalb auch unterschiedliche Einsatzbereiche haben. Wer die Grenze zwischen beiden kennt, spart sich zwei typische Fehlgriffe: die Dauerlösung, die am gesperrten Mischwerk scheitert, und den Eimer Kaltasphalt in einer Fläche, für die er nie gedacht war. Dieser Beitrag zeigt, woran die Entscheidung in der Praxis hängt.
Zwei Materialklassen, zwei Erhärtungsmechanismen
Heißmischgut ist Asphaltmischgut nach den Technischen Lieferbedingungen (TL Asphalt-StB 26, FGSV 797, Ausgabe 2026), das die Sorten der Normenreihe DIN EN 13108 abbildet, etwa Asphaltbeton oder Splittmastixasphalt. Es wird im Mischwerk heiß hergestellt, thermoisoliert transportiert, heiß eingebaut und gewalzt. Die Festigkeit entsteht durch das Abkühlen: Mit sinkender Temperatur versteift das Bitumen, und die Schicht erreicht ihre Tragfähigkeit.
Daraus folgt die größte Einschränkung. Die Temperaturgrenzwerte für temperaturabgesenkten Asphalt stehen seit Ausgabe 2026 in der ZTV Asphalt-StB 26 Teil 1, inhaltsgleich vorbereitet mit dem Allgemeinen Rundschreiben Straßenbau Nr. 13/2025 vom 2. Juni 2025, das für Einsatz und Erprobung der Temperaturabsenkungs-Technologien auf Bundesfernstraßen weiter gilt. Für Bundesfernstraßen legt es beim Abkippen vom Lkw in den Fertigerkübel fest: 140 bis 155 °C für Deck- und Zwischenschichten aus Walzasphalt, bei Schichtdicken unter 3,0 cm bis 165 °C, sowie 130 bis 150 °C für Trag-, Tragdeck-, Binder- und Ausgleichsschichten. Länder und Kommunen übernehmen die Werte über ihre jeweiligen Einführungserlasse. Für Gussasphalt gilt eine eigene Spanne von 200 bis 230 °C, gemessen beim Verlassen des Rührwerkskessels. Gussasphalt wird gegossen und nicht gewalzt und folgt daher einer anderen Systematik als Walzasphalt. Zwischen Mischwerk und Einbaustelle bleibt damit nur ein begrenztes Zeitfenster, im Einbau selbst nur das Verdichtungszeitfenster.
Kaltasphalt ist gebrauchsfertiger Reparaturasphalt, der bei Umgebungstemperatur verarbeitet wird. Fachlicher Bezug sind die Hinweise für Reparaturasphalt zur Schadstellenbeseitigung (H RepA, FGSV 732, Ausgabe 2019). Das Bindemittel bleibt durch Fluxöl- oder Lösemittelanteile weich, bei reaktiven Systemen vernetzt es zusätzlich mit Wasser oder Luftfeuchte. Fest wird die Reparatur nicht durch Abkühlen, sondern durch Verflüchtigung dieser Anteile, durch chemische Reaktion und durch Verkehr. Befahrbar ist die Stelle meist sofort nach dem Verdichten, die vollständige Aushärtung zieht sich je nach Produkt und Witterung über Tage bis Monate.
Kernunterschied: Heißmischgut kauft man mit einer Uhr im Nacken und erhält dafür eine Schicht, die nach dem Auskühlen ihre volle Tragfähigkeit hat. Kaltasphalt kauft man ohne Zeitdruck, ist dafür sofort nach dem Verdichten befahrbar und baut die Endfestigkeit erst über Tage bis Wochen auf, auf einem niedrigeren Niveau.
Der Direktvergleich
| Kriterium | Heißmischgut (Walzasphalt) | Kaltasphalt (Reparaturasphalt) |
|---|---|---|
| Regelwerk | TL Asphalt-StB 26, ZTV Asphalt-StB 26 Teil 1 und Teil 2, DIN EN 13108 | H RepA (FGSV 732, 2019), ZTV Asphalt-StB 26 Teil 2 für die Instandhaltung, ARS Nr. 03/2022 für den GISCODE-Nachweis |
| Bindemittel | Straßenbaubitumen oder polymermodifiziertes Bitumen | gefluxtes oder lösemittelhaltiges Bitumen, alternativ reaktives Bindemittelsystem |
| Verarbeitungstemperatur | 130 bis 165 °C je nach Schicht, gemessen beim Abkippen in den Fertigerkübel; Gussasphalt 200 bis 230 °C beim Verlassen des Rührwerkskessels | Umgebungstemperatur, Untergrenze laut Datenblatt |
| Erhärtung | durch Abkühlen, nach dem Auskühlen praktisch endfest | durch Verflüchtigung, chemische Reaktion und Verkehr, über Tage bis Monate |
| Verdichtung | Walzen hinter dem Fertiger, begrenztes Verdichtungszeitfenster | Handstampfer oder Vibrationsplatte, kein Abkühlungszeitfenster. Reaktive Systeme und Reparaturmörtel haben dafür ein eigenes Reaktions- oder Abbindefenster laut Datenblatt |
| Bezug | Mischwerk, an Tagesproduktion, Saisonbetrieb und Mindestmengen gebunden | Gebinde ab Lager, ganzjährig und kurzfristig verfügbar |
| Gerät und Kolonne | Fertiger, Walzen, thermoisolierte Mulde, mehrköpfige Einbaukolonne | Handgeräte, in der Regel zwei Personen |
| Typischer Einsatz | zusammenhängende Flächen, Deck-, Binder- und Tragschichten, Erneuerung | punktuelle Schadstellen, Sofortmaßnahmen, Sicherung bis zur Endsanierung |
Acht Kriterien, an denen die Entscheidung hängt
- Schadensgröße und Fläche: Einzelne Schadstellen sind die Domäne des Reparaturasphalts. Sobald sie zu einer zusammenhängenden Fläche verschmelzen, wird der maschinelle Einbau überlegen.
- Schadenstiefe und Größtkorn: Heiß eingebauter Walzasphalt braucht eine Mindesteinbaudicke, die sich am Größtkorn der Mischgutsorte orientiert. Flächige, aber flache Ausbrüche lassen sich heiß nur schließen, wenn vorher auf die erforderliche Tiefe gefräst wird. Genau dort liegt oft die Grenze zwischen Reparatur und Erneuerung.
- Verfügbarkeit von Mischwerk und Einbaugerät: Heißmischgut setzt ein produzierendes Mischwerk in vertretbarer Entfernung voraus, dazu Fertiger und Walzen. Fehlt eines davon, ist die Entscheidung faktisch gefallen.
- Jahreszeit und Witterung: Außerhalb der Asphaltsaison ist Heißmischgut vielerorts nur mit langen Wegen verfügbar, und kleine Mengen kühlen unterwegs zu stark aus. Dazu der Beitrag Schlaglöcher im Winter reparieren.
- Geforderte Standzeit: Soll die Stelle bis zur Grundinstandsetzung halten oder dauerhaft? Eine bewusst provisorische Füllung ist eine Verkehrssicherungsmaßnahme und sollte auch so dokumentiert werden.
- Verkehrsbelastung: In Brems- und Anfahrbereichen und an Kreisverkehren wirken Schubkräfte, denen kalt eingebautes Material weniger entgegensetzt. Das verschiebt die Abwägung Richtung Heißeinbau.
- Verkehrsführung und Freigabezeitpunkt: Heißeinbau setzt eine Sperrung voraus, die bis zur ausreichenden Abkühlung der Schicht dauert. Kaltasphalt ist nach dem Verdichten befahrbar. Auf Ortsdurchfahrten und Busstrecken entscheidet dieser Unterschied häufiger über die Materialwahl als die Materialeigenschaft selbst.
- Kolonnenstärke: Eine Zweimannkolonne mit Pritsche und Rüttelplatte kann Kaltasphalt einbauen, aber keinen Fertigerzug fahren. Für zusammenhängende Flächen ist die dritte Option daher regelmäßig die wirtschaftlichste: den Einbau an einen Nachunternehmer zu vergeben, statt Gerät und Personal selbst vorzuhalten.
Wann Kaltasphalt die richtige Wahl ist
Kaltasphalt spielt seine Stärken dort aus, wo Verfügbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit über der maximalen Endfestigkeit stehen: bei einzelnen Schadstellen, die kurzfristig abgearbeitet werden müssen, bevor daraus eine Haftungsfrage wird, bei Einsätzen außerhalb der Saison oder auf abgelegenen Strecken, und bei Flächen, die ohnehin mit der nächsten Maßnahme erneuert werden.
Einbau und Verdichtung beschreibt der Beitrag Kaltasphalt richtig verarbeiten, die Bestellmenge der Beitrag Kaltasphalt-Verbrauch.
Wann Kaltasphalt die falsche Wahl ist
Ebenso klar sind die Fälle, in denen Reparaturasphalt an seine Grenzen stößt:
- Flächige Erneuerung: Deck-, Binder- oder Tragschichten in gleichmäßiger Dicke sind Sache des maschinellen Heißeinbaus.
- Schäden mit Ursache im Unterbau: Ist die Tragschicht durchfeuchtet oder entfestigt, hält keine Auffüllung dauerhaft. Dann ist der Aufbau instand zu setzen.
- Hoch schubbeanspruchte Flächen: Für stark belastete Verkehrsflächen, Brücken und Industrieböden ist Gussasphalt die technisch passende Antwort, einzubauen durch einen Fachbetrieb mit Rührwerkskessel.
- Dauerlösung auf der Hauptverkehrsstraße: Wo täglich Schwerverkehr rollt, ist die kalt geflickte Stelle häufig eine Zwischenlösung mit Verfallsdatum.
Häufiger Fehler: Eine großflächig zerrüttete Fahrbahn wird über Monate Loch für Loch mit Kaltasphalt nachgefüllt, weil jede einzelne Reparatur günstig wirkt. In der Summe übersteigen Anfahrten, Personalstunden und Verkehrssicherung den Aufwand der Erneuerung, und die Fläche ist am Ende trotzdem nicht instand gesetzt. Ab einer gewissen Schadensdichte ist die Sammelmaßnahme die wirtschaftlichere Entscheidung.
Reaktivasphalt als Möglichkeit dazwischen
Zwischen beiden Polen liegt der reaktive Kaltasphalt. Er wird kalt verarbeitet, härtet aber zusätzlich chemisch aus und erreicht dadurch je nach Produkt eine höhere Endfestigkeit. Für die Materialwahl heißt das: Reaktivasphalt ist die Option, wenn Heißmischgut ausscheidet, die Reparatur aber dauerhaft halten soll.
Wirkprinzip und Einsatzgrenzen behandelt der Beitrag Reaktiver Kaltasphalt. Rechnen Sie dabei nicht pro Gebinde, sondern pro dauerhaft geschlossener Schadstelle. Die Kostenseite mit Gebindegrößen und Rechenweg steht im Beitrag Kaltasphalt Preis.
Was Regelwerk und Ausschreibung vorgeben
Für den Heißeinbau gelten die Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen für Verkehrsflächenbefestigungen aus Asphalt, Ausgabe 2026: ZTV Asphalt-StB 26 Teil 1 (FGSV 799/1) für Neubau und Schichten in gleichmäßiger Dicke, eingeführt mit ARS Nr. 08/2026, und ZTV Asphalt-StB 26 Teil 2 (FGSV 799/2) für das Bauen im Bestand, also Instandhaltung, Instandsetzung und Erneuerung, eingeführt mit ARS Nr. 11/2026. Teil 1 ersetzt die ZTV Asphalt-StB 07/13. Vertragsgrundlage auf der Ausführungsseite ist zusätzlich die ATV DIN 18317 der VOB/C.
Die punktuelle Schadstellenbeseitigung fällt unter die Instandhaltung und damit in den Anwendungsbereich der ZTV Asphalt-StB 26 Teil 2, die die ZTV BEA-StB 09/13 ersetzt. Die H RepA ergänzen diesen Rahmen, weil die ZTV für die Ausbesserung nur das Verfahren mit Asphaltmischgut nach den TL Asphalt-StB kennt, während die H RepA zusätzlich Kalt-, Warm- und Heißmischgut als Reparaturasphalt beschreiben.
Für die Produktauswahl ist der Arbeitsschutz maßgeblich. Bundesweit gibt das ARS Nr. 03/2022 vor, dass für Bundesfernstraßen nur Produkte bis zur GISCODE-Gruppe RepA50 einzusetzen sind, vorzugsweise lösemittelarm oder lösemittelfrei. Einzelne Länder gehen darüber hinaus: Bayern empfiehlt in einem Schreiben vom 6. Dezember 2024 für Bundes-, Staats- und die von den Staatlichen Bauämtern verwalteten Kreisstraßen eine Beschränkung auf RepA10 bis RepA30. Die Gruppen nach ARS Nr. 03/2022: RepA10 ohne bitumenfremde Stoffe mit Siedepunkt bis 300 °C, RepA20 lösemittelfrei, RepA30 lösemittelarm, RepA40 schwach lösemittelhaltig, RepA50 lösemittelhaltig.
Praktisch entscheidend für den Einkauf: Nach ARS Nr. 03/2022 ist die GISCODE-Gruppe bereits im Beschaffungsvorgang nachzuweisen, etwa über eine Herstellererklärung oder die Kennzeichnung auf dem Gebinde. Fordern Sie ihn deshalb schon in der Aufforderung zur Angebotsabgabe ab. Die produktneutrale LV-Position finden Sie im Beitrag Kaltasphalt ausschreiben.
Ein Punkt betrifft beide Seiten: Ab dem 1. Januar 2027 gilt für die Heißverarbeitung von Bitumen ein Arbeitsplatzgrenzwert für Dämpfe und Aerosole, temperaturabgesenkter Asphalt wird damit zum Regelfall. Weniger thermische Reserve auf dem Transportweg und ein engeres Verdichtungszeitfenster verschieben die Schwelle für den Heißeinbau kleiner Mengen eher nach oben.
Auf RoadPartner finden Sie Kaltasphalt und Reaktiv-Kaltasphalt als eigene Kategorien. Die Materialübersicht für punktuelle Reparaturen steht in der Kategorie Schlaglochsanierung.
Häufige Fragen
Was ist der technische Hauptunterschied zwischen Kaltasphalt und Heißasphalt?
Der Erhärtungsmechanismus. Heißmischgut wird mit 130 bis 165 °C je nach Schicht angeliefert, gemessen beim Abkippen vom Lkw in den Fertigerkübel, und ist fest, sobald es abgekühlt ist. Kaltasphalt wird bei Umgebungstemperatur eingebaut, ist meist sofort nach dem Verdichten befahrbar und härtet je nach Produkt und Witterung über Tage bis Monate vollständig aus, durch Verflüchtigung von Fluxöl- oder Lösemittelanteilen, bei reaktiven Produkten zusätzlich durch eine chemische Reaktion.
Ab welcher Schadensgröße lohnt sich Heißasphalt?
Eine Flächengrenze gibt das Regelwerk nicht vor, weder die H RepA noch die ZTV Asphalt-StB 26 Teil 2 nennen eine Quadratmeterzahl. Maßgeblich sind Schadensbild, Beanspruchung und erforderliche Einbaudicke, dazu zwei Fragen aus der Beschaffungswirklichkeit: Lassen sich die Schadstellen zu einer zusammenhängenden Fläche bündeln, die sich mit Fertiger und Walze maschinell einbauen lässt? Und produziert ein Mischwerk in vertretbarer Entfernung die benötigte Menge, die bei üblichen Mindestabnahmen von rund einer Tonne und etwa 100 kg je Quadratmeter bei 4 cm Dicke einer Fläche im zweistelligen Quadratmeterbereich entspricht?
Hält eine Kaltasphalt-Reparatur genauso lange wie Heißasphalt?
In der Regel nicht. Konventioneller Kaltasphalt erreicht eine niedrigere Endfestigkeit als heiß eingebautes und gewalztes Mischgut und ist als punktuelle Maßnahme angelegt, nicht als Schichtersatz. Reaktiver Kaltasphalt schließt einen Teil dieser Lücke. Die tatsächliche Standzeit hängt stark von Vorbereitung, Verdichtung und Verkehrsbelastung ab.
Welches Regelwerk gilt für welches Material?
Für Heißmischgut gelten die TL Asphalt-StB 26 (FGSV 797) sowie die ZTV Asphalt-StB 26, Teil 1 für Neubau und Schichten in gleichmäßiger Dicke und Teil 2 für das Bauen im Bestand, dazu die ATV DIN 18317 der VOB/C. Die punktuelle Schadstellenbeseitigung gehört als Instandhaltung ebenfalls in den Anwendungsbereich von Teil 2. Fachlicher Bezug für den Reparaturasphalt selbst sind die H RepA (FGSV 732, Ausgabe 2019 einschließlich der Korrektur vom 25. April 2019).
Ändert der Arbeitsplatzgrenzwert ab 2027 etwas an der Materialwahl?
Indirekt ja. Ab dem 1. Januar 2027 gilt für die Heißverarbeitung von Bitumen ein Arbeitsplatzgrenzwert für Dämpfe und Aerosole, temperaturabgesenkter Asphalt wird dadurch zum Regelfall. Niedrigere Mischguttemperaturen bedeuten weniger Reserve auf dem Transportweg und ein engeres Verdichtungszeitfenster. Für kleine Mengen und lange Wege wird der Heißeinbau damit eher schwieriger, nicht leichter.
Hinweis: Die Temperaturgrenzwerte für temperaturabgesenkten Asphalt stehen seit Ausgabe 2026 in der ZTV Asphalt-StB 26 Teil 1 und wurden inhaltsgleich mit der Anlage zum Allgemeinen Rundschreiben Straßenbau Nr. 13/2025 des BMV vom 2. Juni 2025 vorbereitet, das für Bundesfernstraßen weiter gilt. Regelwerksstand: TL Asphalt-StB 26 und ZTV Asphalt-StB 26 Teil 1 und Teil 2, Ausgabe 2026, sowie H RepA, Ausgabe 2019 einschließlich der Korrektur vom 25. April 2019. Verbindlich sind im Einzelfall das technische Datenblatt des eingesetzten Produkts, die Vorgaben des Auftraggebers und das im jeweiligen Bundesland eingeführte Regelwerk.
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