Kaltasphalt ausschreiben: produktneutrale LV-Position
Für den Bauhof wird Kaltasphalt meist direkt bestellt. Sobald die Schlaglochreparatur aber Teil einer ausgeschriebenen Leistung ist, etwa in einem Jahresvertrag für die Straßenunterhaltung, in einem Rahmenvertrag oder bei der Wiederherstellung von Aufgrabungen, braucht das Leistungsverzeichnis eine saubere Position. In der Praxis landet dort häufig der Textbaustein eines Herstellers mit dem Zusatz „oder gleichwertig". Das ist bequem, engt den Wettbewerb aber ein und ist vergaberechtlich angreifbar. Dieser Beitrag zeigt, welche Merkmale eine produktneutrale Position braucht, und liefert zwei Mustertexte zum Anpassen.
Zum Stand dieses Artikels: Er ordnet die Regeln ein und ersetzt weder das Vergaberecht noch die Regelwerke der FGSV. Maßgeblich ist die im jeweiligen Verfahren geltende Fassung. Eine rechtliche Beratung ist dieser Artikel nicht.
Warum Leitfabrikate im Leistungsverzeichnis ein Problem sind
Öffentliche Auftraggeber müssen Bauleistungen so beschreiben, dass alle Bieter sie in gleichem Sinne verstehen und ihre Preise sicher kalkulieren können. Die VOB/A verlangt dabei ausdrücklich Produktneutralität: Auf bestimmte Hersteller, Produkte oder Verfahren darf nur verwiesen werden, wenn sich die Leistung anders nicht hinreichend genau beschreiben lässt. Und selbst dann ist der Zusatz „oder gleichwertig" Pflicht. Das regelt § 7 Abs. 2 VOB/A für Bauleistungen. Reine Materiallieferungen wie in Mustertext 1 sind Lieferleistungen, dort gelten unterhalb der EU-Schwellenwerte § 23 UVgO beziehungsweise das jeweilige Landesrecht und oberhalb § 31 Abs. 6 VgV mit vergleichbaren Regeln.
Bei Kaltasphalt ist diese Ausnahme schwer zu begründen. Für jeden Systemtyp gibt es mehrere Hersteller, deren Produkte sich über technische Merkmale vergleichen lassen: Körnung, Bindemittelsystem, Verarbeitungstemperatur, Verhalten auf feuchtem Untergrund. Wer trotzdem ein Leitfabrikat einträgt, handelt sich drei Nachteile ein:
- Weniger Wettbewerb: Bieter kalkulieren auf das genannte Produkt, weil sie den Nachweis der Gleichwertigkeit scheuen. Der Preis orientiert sich damit an einem Anbieter statt am Markt.
- Angriffsfläche im Verfahren: Ein Leitfabrikat ohne tragfähige Begründung kann gerügt werden. Im schlechtesten Fall muss die Ausschreibung zurückgesetzt werden.
- Streit bei der Ausführung: Bietet ein Unternehmen ein anderes Produkt an, muss geklärt werden, was „gleichwertig" konkret bedeutet. Ohne beschriebene Merkmale fehlt dafür der Maßstab.
Kernpunkt: Eine gute Position beschreibt nicht, welches Produkt eingebaut werden soll, sondern was das Produkt können muss. Dann ist der Nachweis der Gleichwertigkeit gar nicht mehr nötig, weil jedes Produkt, das die Merkmale erfüllt, zugelassen ist.
Welche Merkmale in die Position gehören
Kaltasphalt ist kein genormtes Mischgut wie Heißasphalt nach TL Asphalt-StB 26. Fachlicher Bezug für Reparaturasphalt sind die Hinweise für Reparaturasphalt zur Schadstellenbeseitigung (H RepA) der FGSV, die konkreten Anforderungen müssen trotzdem im Text selbst stehen. Bewährt haben sich die folgenden Angaben:
| Merkmal | Beispielangabe | Warum die Angabe wichtig ist |
|---|---|---|
| Systemtyp | konventionelles Kaltmischgut oder reaktives Kaltmischgut (chemische Aushärtung, etwa durch Wasser oder Luftfeuchte) | Entscheidet über Dauerhaftigkeit, Wintereignung und Preisniveau |
| Bindemittel | Bitumenbasis, lösemittelfrei | Arbeitsschutz, Geruch, Anforderungen an die Lagerung |
| Körnung | 0/5 (Schlaglöcher), 0/2 (dünne Lagen, Feinausbesserung), 0/8 oder 0/11 (tiefe Stellen) | Bestimmt die mögliche Einbaudicke je Lage |
| Einbaubedingungen | verarbeitbar bei Lufttemperaturen unter 0 °C, geeignet für feuchten Untergrund | Legt fest, ob das Material für Winterdienst und Notreparaturen taugt |
| Verkehrsfreigabe | nach Verdichtung sofort befahrbar | Bestimmt Sperrzeiten und Verkehrssicherung |
| Gebinde und Lagerfähigkeit | 25-kg-Eimer, Lagerfähigkeit mindestens 6 Monate ab Lieferung | Bauhoflogistik, Vorratshaltung über die Saison |
| Nachweise | technisches Datenblatt, Sicherheitsdatenblatt, GISCODE (etwa RepA10 bis RepA30) | Prüfbarer Maßstab für die Wertung der Angebote |
| Abrechnungseinheit | kg bei Lieferung, Stück je Schadstelle oder m² bei Leistung mit Einbau | Vermeidet Nachtragsdiskussionen über Mengen |
Wichtig ist das Maß: Jede Anforderung sollte fachlich begründet sein und von mehreren Produkten am Markt erfüllt werden können. Wer die Datenblattwerte eines einzelnen Produkts abschreibt, hat am Ende wieder ein verdecktes Leitfabrikat.
Mustertext 1: Lieferung von Kaltasphalt
Für Rahmenverträge und Bedarfspositionen, bei denen der Bauhof selbst einbaut. Die eckigen Klammern kennzeichnen Werte, die Sie an den eigenen Bedarf anpassen.
Reaktives Kaltmischgut für die Instandsetzung von Asphaltflächen liefern.
Kaltmischgut auf Bitumenbasis, lösemittelfrei, chemisch aushärtend, Körnung [0/5], für den lagenweisen Einbau in Schadstellen von Asphaltdeck- und -binderschichten. Verarbeitbar bei Lufttemperaturen von mindestens [-5 °C bis +30 °C] und auf feuchtem Untergrund, nach Verdichtung sofort befahrbar, mit Heißasphalt überbaubar.
Lieferung in Eimern zu [25 kg] mit Deckel, palettiert, frei [Bauhof, Lieferadresse]. Lagerfähigkeit im ungeöffneten Gebinde mindestens [6 Monate] ab Lieferung.
Technisches Datenblatt, Sicherheitsdatenblatt und Angabe des GISCODE sind mit dem Angebot vorzulegen. Der Bieter benennt das angebotene Produkt und den Hersteller.
Abrechnungseinheit: kg. Voraussichtliche Menge: [5.000] kg als Bedarfsposition, Abruf in Teilmengen von mindestens [1 Palette].
Soll konventionelles Kaltmischgut ausgeschrieben werden, entfallen die Angaben zur chemischen Aushärtung und zum feuchten Untergrund. Stattdessen genügt „gebrauchsfertiges Kaltmischgut auf Bitumenbasis, Körnung [0/5], verarbeitbar bei Lufttemperaturen ab [Wert laut Bedarf]". Welcher Systemtyp für welchen Zweck passt, steht im Beitrag Reaktiver Kaltasphalt.
Mustertext 2: Schadstelle schließen, inklusive Einbau
Für Unterhaltungsverträge, bei denen ein Unternehmen Material und Einbau liefert. Hier wird die Leistung beschrieben, das Material bleibt ein Teil davon.
Schadstelle in Asphaltdeckschicht mit Kaltmischgut dauerhaft schließen.
Schadstelle bis [0,25 m²] Einzelfläche und bis [5 cm] Tiefe. Lose Teile, Wasser, Eis und Verschmutzungen entfernen, Ränder tragfähig und möglichst senkrecht ausbilden, Flanken und Sohle mit geeignetem Haftgrund vorbehandeln.
Reaktives Kaltmischgut auf Bitumenbasis, lösemittelfrei, Körnung [0/5], lagenweise in Lagen gemäß Datenblatt, höchstens [5 cm], einbauen und mit Handstampfer oder Vibrationsplatte verdichten. Aushärtung nach Herstellerangabe auslösen. Oberfläche profilgerecht mit leichter Überhöhung herstellen und abstreuen.
Einschließlich aller Materialien, Geräte und Nebenleistungen sowie Entsorgung des Ausbruchmaterials. Verkehrssicherung wird gesondert vergütet.
Abrechnungseinheit: Stück. Voraussichtliche Menge: [200] Stück.
Bei größeren oder ungleichmäßigen Schadstellen ist die Abrechnung nach m² bei festgelegter Einbaudicke die bessere Wahl. Dann gehört eine Zulage für Mehrtiefe je angefangenen Zentimeter in das Leistungsverzeichnis, sonst entsteht der Nachtrag beim ersten tieferen Loch.
Häufiger Fehler: Die Position nennt nur „Kaltasphalt" ohne Systemtyp. Dann bietet ein Bieter konventionelles Material für Sommerreparaturen an, der nächste reaktives Material für den Winterdienst, und die Angebote sind nicht vergleichbar. Reaktives Material liegt preislich je nach Produkt auf gleichem Niveau bis etwa doppelt so hoch wie konventionelles.
Wenn trotzdem ein Leitfabrikat im LV steht
Als Bieter müssen Sie ein Leitfabrikat nicht übernehmen. Die Gleichwertigkeit eines anderen Produkts weisen Sie am einfachsten mit einer Gegenüberstellung der technischen Datenblätter nach: Systemtyp, Körnung, Verarbeitungstemperatur, Untergrundfeuchte, Verkehrsfreigabe, Lagerfähigkeit. Legen Sie den Nachweis dem Angebot bei und benennen Sie das angebotene Produkt ausdrücklich, sonst gilt im Zweifel das genannte Leitfabrikat als angeboten.
Fehlen im Leistungsverzeichnis die Merkmale, an denen Gleichwertigkeit gemessen werden soll, stellen Sie vor Angebotsabgabe eine Bieterfrage. Die Antwort wird allen Bietern mitgeteilt und schafft den fehlenden Maßstab. Wer das gesamte Leistungsverzeichnis vor der Veröffentlichung oder vor der Angebotsabgabe fachtechnisch prüfen lassen will, findet die Prüfpunkte im Beitrag Leistungsverzeichnis prüfen lassen.
Preise und Mengen einordnen
Für die Kostenschätzung vor der Ausschreibung liefern die Beiträge Kaltasphalt Preis und Schlagloch-Reparatur Kosten Orientierungsspannen und einen Rechenweg je Schadstelle. Den Materialbedarf je Loch rechnet der Beitrag Kaltasphalt Verbrauch vor.
Auf RoadPartner sind beide Systemtypen als eigene Kategorien geführt, mit Datenblättern und Gebindeangaben je Produkt: Reaktiv-Kaltasphalt und Kaltasphalt. Für die Prüfung, welche Produkte eine Position erfüllen, ist die Übersicht in der Kategorie Schlaglochsanierung ein guter Startpunkt.
→ Kaltasphalt mehrerer Hersteller auf RoadPartner vergleichenHäufige Fragen
Darf ich in der Ausschreibung überhaupt einen Hersteller nennen?
Nur ausnahmsweise, wenn sich die Leistung anders nicht hinreichend genau beschreiben lässt, und dann in aller Regel mit dem Zusatz „oder gleichwertig". Bei Kaltasphalt lässt sich die Leistung über Systemtyp, Körnung, Einbaubedingungen und Gebinde beschreiben, deshalb ist die Ausnahme in der Regel nicht begründbar.
Gibt es eine Norm für Kaltasphalt, auf die ich verweisen kann?
Eine eigene Technische Lieferbedingung wie die TL Asphalt-StB 26 für Heißasphalt gibt es für Kaltmischgut nicht. Fachlicher Bezug sind die Hinweise für Reparaturasphalt zur Schadstellenbeseitigung (H RepA, FGSV 732, Ausgabe 2019) mit empfohlenen Anforderungen und Prüfungen. Die Position kann darauf verweisen und nennt die Merkmale zusätzlich selbst. Als Nachweis dienen das technische Datenblatt und das Sicherheitsdatenblatt des angebotenen Produkts.
Soll ich konventionelles oder reaktives Kaltmischgut ausschreiben?
Das hängt vom Einsatz ab. Für Reparaturen in der warmen Jahreszeit und als Überbrückung bis zur Endsanierung reicht konventionelles Material. Für Winterdienst, nasse Untergründe und stark belastete Stellen ist reaktives Material die dauerhaftere Wahl. Viele Unterhaltungsverträge führen beide Systemtypen als getrennte Positionen.
Welche Abrechnungseinheit ist für Schlaglochreparaturen sinnvoll?
Bei reiner Materiallieferung das Kilogramm. Bei Leistungen mit Einbau das Stück je Schadstelle mit definierter Maximalfläche und -tiefe, für größere Flächen der Quadratmeter bei festgelegter Einbaudicke mit einer Zulage für Mehrtiefe. Eine Pauschale je Straße führt fast immer zu Streit über den Umfang.
Wie weise ich als Bieter die Gleichwertigkeit eines anderen Produkts nach?
Mit einer tabellarischen Gegenüberstellung der technischen Datenblätter zu den im Leistungsverzeichnis genannten Merkmalen, beigelegt zum Angebot, und mit der ausdrücklichen Benennung des angebotenen Produkts. Fehlen im Leistungsverzeichnis die Merkmale, fragen Sie vor Angebotsabgabe per Bieterfrage nach.
Hinweis: Die Mustertexte sind Formulierungsvorschläge und an den jeweiligen Bedarf anzupassen. Verbindlich sind die Vergabevorschriften in der geltenden Fassung, die Vorgaben des Auftraggebers sowie die technischen Datenblätter der eingesetzten Produkte.
Zu diesem Thema finden Sie auf RoadPartner Angebote in diesen Kategorien:
Für die Mengenangabe im Leistungsverzeichnis: Fläche und Einbaudicke eingeben.
Unsere Ratgeber-Artikel werden regelmäßig erweitert. Bei konkreten Fragen sind wir direkt erreichbar, per Chat, Telefon oder Mail.