Bitumenemulsion: Verbrauch pro m² kalkulieren

Praxis-Tipps · 6 Min. Lesezeit

Bei Bitumenemulsion entscheidet die Menge pro Quadratmeter über das Ergebnis. Zu wenig, und der Schichtenverbund fehlt. Zu viel, und das Bindemittel drückt später als Fettfleck durch die Deckschicht. Wer die Anspritzmenge sauber kalkuliert, spart außerdem bares Geld, denn auf großen Flächen summiert sich jedes überflüssige Gramm. Dieser Beitrag zeigt die üblichen Aufwandmengen je Anwendung, die wichtigsten Einflussfaktoren und einen einfachen Rechenweg für die Bestellmenge.

Bindemittelmenge und Emulsionsmenge auseinanderhalten

Der häufigste Kalkulationsfehler passiert schon vor der ersten Zahl: Mengen werden entweder als Emulsionsmenge (Bitumen plus Wasser) oder als Bitumenmenge (der reine Bindemittelanteil) angegeben. Die Richtwerte der ZTV Asphalt-StB für den Schichtenverbund sind Emulsionsmengen. Auch eine LV-Position, die die Emulsion als Bindemittel nennt und dazu eine „Bindemittelmenge“ in g/m² angibt, meint die Menge der Emulsion. Eine übliche Emulsion mit 60 Prozent Bindemittelgehalt enthält pro Kilogramm 600 Gramm Bitumen.

Merkregel: Die Ansprühmenge bezieht sich auf die Emulsion. Bei 60 Prozent Bindemittelgehalt bleiben rund 60 Prozent davon als Bitumen auf der Fläche, 250 g/m² Emulsion ergeben also etwa 150 g/m² Bitumen. Umgerechnet wird nur, wenn ein Leistungsverzeichnis ausdrücklich eine Bitumen- oder Restbindemittelmenge fordert.

Übliche Aufwandmengen nach Anwendung

Schichtenverbund (Ansprühen zwischen Asphaltschichten)

Für den Verbund zwischen zwei Asphaltschichten liegen die Ansprühmengen einer C60BP4-S nach ZTV Asphalt-StB 07/13, Tabelle 7, in den Belastungsklassen Bk3,2 bis Bk100 je nach Unterlage in diesen Bereichen:

  • Frische Asphaltbinderschicht, darauf Asphaltdeckschicht: ca. 150 bis 250 g/m²
  • Frische Asphalttragschicht, darauf Asphalttragschicht: ca. 150 bis 250 g/m², darauf Asphaltbinderschicht: ca. 250 bis 350 g/m²
  • Gefräste Unterlage: ca. 250 bis 350 g/m²
  • Sehr offenporige oder ausgemagerte Unterlage, Kornausbrüche: ca. 250 bis 500 g/m²

Verbindlich ist immer die Vorgabe im Leistungsverzeichnis beziehungsweise die einschlägigen Regelwerke. Die Spannen zeigen aber die Logik: Je rauer und saugfähiger die Unterlage, desto mehr Emulsion wird gebraucht. In den Belastungsklassen Bk0,3 bis Bk1,8 kommt häufig die 40-prozentige C40B5-S zum Einsatz, mit höheren Ansprühmengen von etwa 200 bis 450 g/m².

Voranstrich auf ungebundenen Tragschichten

Beim Voranstrich auf Schotter- oder Frostschutzschichten soll die Emulsion einziehen und die Oberfläche binden. Hier liegen die üblichen Mengen deutlich höher, typisch bei 0,8 bis 1,5 kg/m² Emulsion, abhängig von Saugfähigkeit und Kornzusammensetzung. Bei stark saugendem Untergrund sind zwei Arbeitsgänge mit jeweils geringerer Menge meist besser als ein einzelner schwerer Auftrag.

Haftbrücke bei Reparaturen

Beim Auftrag auf die Flanken einer Schadstelle vor dem Einbau von Reparaturmischgut wird nicht flächig kalkuliert, sondern dünn und deckend gestrichen oder gesprüht. Für die Bestellung reicht hier die Erfahrung: Ein kleines Gebinde deckt viele Schadstellen ab.

Einflussfaktoren auf die Menge

  • Beschaffenheit der Unterlage: Dichte, neue Asphaltschichten brauchen weniger, gefräste, raue, offenporige und verwitterte Flächen mehr. Das ist der größte Hebel.
  • Emulsionstyp und Bindemittelgehalt: Übliche Emulsionen haben 60 Prozent Bindemittelgehalt (etwa C60B4-S oder polymermodifiziert C60BP4-S), es gibt aber auch andere Gehalte. Eine Emulsion mit geringerem Bindemittelgehalt braucht für denselben Bitumenanteil mehr Menge, deshalb gelten für C40B5-S höhere Ansprühmengen als für C60BP4-S.
  • Witterung und Untergrundzustand: Auf feuchten Flächen und bei kühler Witterung bricht die Emulsion langsamer. Das ändert weniger die Menge als das Zeitfenster bis zum Überbauen.
  • Applikationstechnik: Eine Spritzrampe trägt gleichmäßig auf, Handlanze und Gießkanne streuen stärker. Bei Handauftrag ist ein Mengenzuschlag für Ungleichmäßigkeit realistisch.

Beispielrechnung: 1.500 m² Deckschicht auf gefräster Fläche

Eine Gemeindestraße wird gefräst und mit einer neuen Deckschicht überbaut. Für die gefräste Unterlage sieht das Leistungsverzeichnis 300 g/m² C60BP4-S vor, also die Mitte der Spanne von 250 bis 350 g/m²:

  • Emulsionsmenge pro m²: 300 g, also 0,30 kg
  • Gesamtmenge: 1.500 m² mal 0,30 kg = rund 450 kg Emulsion, davon rund 270 kg Bitumen
  • Mit Reserve für Ansatzverluste und Doppelauftrag an Rändern: rund 500 kg

Ob diese Menge als Gebindeware (Kanister, Fass, IBC) oder über einen Dienstleister mit Spritzrampe auf die Fläche kommt, ist eine Wirtschaftlichkeitsfrage: Für kleine und mittlere Flächen sowie Handauftrag sind Gebinde praktikabel, ab größeren zusammenhängenden Flächen arbeitet die Rampe schneller, gleichmäßiger und dokumentierbar.

Typische Fehler bei der Mengenkalkulation

Zu viel Emulsion. Überschüssiges Bindemittel wandert unter Verkehr und Wärme nach oben und zeigt sich als Fettstellen oder Blutenbildung in der Deckschicht. Die Fläche wird bei Nässe glatt, die Stelle bleibt dauerhaft sichtbar.

Zu wenig Emulsion. Fehlt das Bindemittel, entsteht kein durchgehender Schichtenverbund. Die Schichten arbeiten getrennt, es drohen Verschiebungen, Risse und großflächige Ablösungen, oft erst nach Monaten sichtbar.

Häufiger Fehler: Die Ansprühmenge wird als Bitumenmenge gelesen und auf die Emulsion hochgerechnet. Wer aus 300 g/m² auf diese Weise 500 g/m² Emulsion macht, spritzt rund zwei Drittel zu viel, zahlt für das zusätzliche Material und riskiert Fettstellen in der Deckschicht.

Unterlage nicht berücksichtigt. Dieselbe Menge auf einer neuen, dichten Schicht und auf einer gefrästen oder verwitterten Fläche führt zu gegensätzlichen Problemen: dort zu viel, hier zu wenig. Die Fläche vor der Kalkulation anzusehen ist Pflicht, nicht Kür.

Welcher Emulsionstyp für welche Anwendung passt, steht im Beitrag Bitumenemulsion: Welche für Schichtenverbund, Voranstrich, OB?. Warum der Verbund zwischen den Schichten so entscheidend für die Haltbarkeit ist, erklärt der Beitrag Schichtenverbund im Asphaltbau.

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Häufige Fragen

Wie viel Bitumenemulsion brauche ich pro Quadratmeter für den Schichtenverbund?

Üblich sind je nach Unterlage etwa 150 bis 350 g/m² Emulsion, auf sehr offenporiger oder ausgemagerter Unterlage bis 500 g/m². Die Werte der ZTV Asphalt-StB beziehen sich auf die Emulsion, nicht auf das Bitumen. Auf neuen, dichten Asphaltschichten reicht das untere Ende der Spanne, auf gefrästen, rauen oder verwitterten Flächen wird das obere eingesetzt. Verbindlich ist die Vorgabe im Leistungsverzeichnis.

Warum liegt der Verbrauch beim Voranstrich so viel höher?

Beim Voranstrich soll die Emulsion in eine ungebundene, saugfähige Tragschicht einziehen und deren Oberfläche binden. Dafür sind typisch 0,8 bis 1,5 kg/m² Emulsion nötig, ein Vielfaches der Menge für den Schichtenverbund, bei dem nur ein dünner Haftfilm zwischen zwei dichten Schichten gebraucht wird.

Woran erkenne ich, dass zu viel Emulsion aufgetragen wurde?

Überschüssiges Bindemittel drückt unter Verkehr und Sommerhitze durch die Deckschicht und zeigt sich als dunkle, glänzende Fettstellen, sogenannte Blutenbildung. Solche Stellen werden bei Nässe glatt und lassen sich nachträglich nur aufwendig beheben, etwa durch Abstreuen oder Austausch.

Reicht für kleine Flächen der Auftrag mit Gießkanne oder Handlanze?

Für Reparaturflächen, Anschlüsse und kleine Maßnahmen ja. Der Handauftrag ist aber ungleichmäßiger als die Spritzrampe, deshalb sollte sorgfältig und eher in zwei dünnen Gängen gearbeitet werden. Für große zusammenhängende Flächen ist die Rampe die gleichmäßigere und wirtschaftlichere Lösung.

Wie lange muss die Emulsion vor dem Überbauen brechen?

Die Emulsion sollte vor dem Einbau der nächsten Schicht gebrochen sein, erkennbar am Farbumschlag von braun nach schwarz. Die Dauer hängt von Emulsionstyp, Aufwandmenge, Temperatur und Luftfeuchte ab und reicht von wenigen Minuten bis zu deutlich längeren Wartezeiten bei kühlem, feuchtem Wetter.


Hinweis: Die genannten Aufwandmengen sind übliche Praxisspannen. Verbindlich sind die Vorgaben des Leistungsverzeichnisses, die einschlägigen technischen Regelwerke und das technische Datenblatt des jeweiligen Produkts.

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